Kurzbeschreibung
Hans Angele
Bauernsprache und Bauerngeräte
im Schwäbischen Oberland
Dreitausend Mundartwörter von A bis Z
so gesprochen Anfang des 20. Jahrhunderts
Abbildungen und Beschreibungen bäuerlicher
Geräte, Maschinen und Tätigkeiten
Dörfliches Brauchtum im Jahresablauf
Bauernsprache: Ein Lexikon des Oberschwäbischen, wie es in der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts im nördlichen Oberschwaben nicht nur von den Bauern gesprochen wurde.
Bäuerliche Geräte, Maschinen und Tätigkeiten mit über 400 Abbildungen. Hier wird anschaulich dargestellt, wie man damals auf dem Dorf lebte und arbeitete, was es zum Essen und Trinken gab und auch wann und wie gefeiert wurde.
Brauchtum im Jahresablauf: Viele Bräuche beziehen sich auf das Kirchenjahr: Dreikönig, Ostern, Pfingsten, Himmelfahrt oder aber auf Saat, Ernte und Dreschen, dann auf Fasnet, Funken, Nikolaus; auf Geburt, Hochzeit und Tod. Auch die besonderen "Feitige" (Feiertage) für Knechte und Mägde an kirchlichen Namenstagen werden beschrieben.
168 Fotos, schwarzweiss
304 Fotos, farbig
36 Zeichnungen, schwarzweiss
14 Bilder, farbig
11 Bilder, schwarzweiss
Seit September 2007 wird die 3. Auflage ausgeliefert.
---
Buchbesprechung in der Schwäbischen Zeitung Biberach vom 17.10.2005
Buchvorstellung
Hans Angele klaubt verlorene Wörter zusammen
REINSTETTEN - „Bauernsprache und Bauerngeräte im Schwäbischen Oberland“: So heißt die neue Veröffentlichung von Hans Angele aus Reinstetten. Das Buch ist angelegt als Wörterbuch, es bietet dem Leser tatsächlich aber wesentlich mehr: eine kleine oberschwäbische Kulturgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts.
Von unserem Redakteur Achim Zepp
Epflbutza, Glufamichel, Lachaschapfa, Pfeifadeggl, Karrasalb ond Kuglfuhr: Wörter, prall wie reife Früchte; Vokale, die wie Irrlichter tanzen. Das Oberschwäbische ist ein kraftvoller, bisweilen auch kantiger Dialekt. Im Lauf der Zeit wurden und werden die charakteristischen Kanten allerdings immer stärker abgeschliffen. Vieles, was die Mundart ausmacht, geht verloren. Einer der diesen unwiederbringlichen Verlust aufhalten will, ist Hans Angele aus Reinstetten. Angele klaubt, was er an selten gewordenen oberschwäbischen Wörtern findet, zusammen und bewahrt es auf. „Beim Vergleich von 1930 zu 2005 kommt einem sowohl im Dialekt als auch in der Bauernarbeit zum Bewusstsein, wie sich die Sprache und auch die Wirtschaftsweise doch rasant verändert haben“, schreibt Angele. „Man kann dies schmerzlich erfahren oder auch den Fortschritt bewundern, je nachdem.“
Für Hans Angele ist es in jedem Fall ein schmerzhafter Prozess. Auf der Grundlage des „Oberschwäbischen Wörterbuchs der Bauernsprache“ von 1844 hat der 83-Jährige deshalb 3000 Wörter und Wortformen gesammelt, hauptsächlich aus Gesprächen mit Altersgenossen. In seinem Buch hat er aufgeschrieben, wie man in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in seiner eigenen Jugend also, im Oberland „gschwätzt, gschaffed ond gfeiret hot“. Weil Sprache und gesellschaftliche Entwicklungen untrennbar zusammengebunden sind, beließ er es nicht bei einem reinen Wörterbuch. Im Hauptteil beschreibt er alte bäuerliche Geräte, Maschinen und Tätigkeiten und nennt die zugehörigen Begriffe. Außerdem macht er mit dem dörflichem Brauchtum und seiner Begrifflichkeit bekannt. „Äschriggamiggda“ zum Beispiel ist der Aschermittwoch. Hans Angele zitiert die Bibel – Bedenke, oh Mensch, dass du vom Staube kommst und wieder zu Staub werden wirst – und erklärt kurz, dass mit diesem Tag, mit der Aschebestreuung durch den Priester, die Fastenzeit beginnt.
Anker für Identität
Im letzten Abschnitt des 230 Seiten dicken Buches findet man ausgewählte Bilder vom Landleben im 19. Jahrhundert des Biberacher Malers Johann Baptist Pflug: von der Kirchweih und dem Kegelschieben, aus dem Wirtshaus und vom Schuster auf der Stör. Die ungezählten Fotos und Zeichnungen von landwirtschaftlichem Gerät, bäuerlicher Arbeit und den Anfängen der Motorisierung in der Landwirtschaft lassen eine heute fast schon vergessene Zeit in Teilen wieder lebendig werden. Kulturgeschichten dienen für gewöhnlich dazu, dass wir nicht vergessen mögen, wie haltlos im Grund alles ist auf dieser Welt. Wer seine Sprache, seinen Dialekt verliert, verliert einen Großteil seiner Identität. In diesem Sinn ist Hans Angeles Buch, so wie es Landrat Peter Schneider in seinem Geleitwort trefflich formuliert hat: ein Anker für Identität.
Schwäbische Zeitung Biberach, Seite Biberach - Stadt und Land, 17.10.2005
Der Artikel als pdf-Datei
Foto im Zeitungsartikel
Bildunterschrift:
Hans Angele wird sein neues Buch „Bauernsprache und Bauerngeräte im Schwäbischen Oberland“ am Mittwoch im Fruchtkasten in Ochsenhausen vorstellen. SZ-Foto: Achim Zepp
Inhalt
Zum Geleit 6
Einleitung 7
Die Oberämter in Oberschwaben 9
Das "Oberschwäbische Wörterbuch der Bauernsprache" von Dionys Kuen 10
Vorrede von Dionys Kuen 11
Aussprache und Rechtschreibung um 1844 12
Wörter und Wortformen des Oberschwäbischen
so gesprochen Anfang des 20. Jahrhunderts 15
Redensarten und Sprüche von früher 64
Alte bäuerliche Geräte, Maschinen und Tätigkeiten 69
Einführung 69
I. Anwesen, Bauern, Seldner, Ehalten 73
Protokoll einer Gutsübergabe anno 1806 81
Hofverkauf anno 1813 82
Heiratsabsprache anno1820 83
Bauernbriefe von Jakob Ils 1912 84
II. Bodenbearbeitung, Säen, Pflanzen, Pflegen 85
III. Ernte: Gras und Heu, Getreide, Hackfrüchte 94
IV. Ernteverarbeitung 109
V. Tierhaltung, Futterzubereitung, Dungausbringung 116
VI. Transport landwirtschaftlicher Güter mit der Bahn 127
VII. Wagen und Anspannung – Wagner, Huf- und Wagenschmied, Sattler 132
VIII. Anfänge landwirtschaftlicher Motorisierung 143
Die ersten Traktoren im Dorf 145
IX. Hauswesen, Essen und Trinken 163
X. Winterarbeit auf dem Hof und im Wald 179
XI. Störleute, Wandergewerbe, Händler 185
Dörfliches Brauchtum im Jahresablauf 189
Dreihundertjähriges Bestehen des "Umgangs" in Reinstetten 207
Bilder des Biberacher Malers Joh. Bapt. Pflug
vom Landleben im neunzehnten Jahrhundert 217
Quellen 228
Dank 229
Schlusswort 230
Der Autor 231
Weitere Bücher aus dem Angele-Verlag 232
Vordere Umschlagsinnenseiten: Bauernheilige, Wetterregeln, Arbeitregeln im Jahresablauf
Hintere Umschlagsinnenseiten: Heuernte. Gemälde von Jakob Bräckle
Zum Geleit
Erinnerungen aus der Kindheit, Bilder vom Bauernhof der Großeltern, vom arbeitsreichen Alltag der Bauersleut sind aufgetaucht, als ich mich vertieft habe in das Werk „Bauernsprache und Bauerngeräte im Schwäbischen Oberland“ von Hans Angele.
Das vorliegende Buch ist das Ergebnis jahrzehntelanger Sammelleidenschaft und Spurensuche. Kann man kulturelle und literarische Liebe zu unserer oberschwäbischen Heimat glaubhafter dokumentieren?
Längst verschollen geglaubte Wörter wie „äschdemiera“, „Fassdauga“, „schträhla“ und Gerätschaften wie „Lachaschapfa“, „Hoopa“ ond „Büschelesbock“ sind mir begegnet und endlich das „Bernerwägele“. So wie die historischen Geräte aus dem Alltag verschwinden, weil sie heute nicht mehr gebraucht werden, so verschwinden auch die Bezeichnungen und die Wörter - es sei denn, sie werden dem Vergessen entrissen.
Hans Angeles Buch ist viel mehr als das Bewahren dieses ureigensten Wortschatzes, unseres kraftvollen, ausdrucksstarken Oberschwäbisch, wie es vor achtzig Jahren bei uns gesprochen wurde. Durch viele Bilder vom Leben auf dem Land am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gelingt es ihm, uns zurück zu versetzen.
Einen letzten Rest dieser Zeit habe ich noch mitbekommen in meiner Kindheit, und dafür bin ich dankbar. Es ist ein starkes, tragfähiges Fundament, ein Anker für Identität - eine Geisteshaltung.
Weder können wir die Zeit zurückdrehen, noch möchten wir die moderne Technik missen. Auch wir Menschen sind anders geworden - aus der Sicht unserer Vorfahren „hendrafier“ vielleicht. Mit diesem Buch können wir uns rückbesinnen auf unsere Wurzeln, auf das, was uns stark gemacht hat. Es ist ein wichtiges Werk für unseren Landkreis und seine Kultur.
Peter Schneider MdLLandrat
Einleitung
Vor über zehn Jahren kam mir ein Büchlein zu Gesicht mit dem Titel "Oberschwäbisches Wörterbuch der Bauernsprache von mehr als zweitausend Wörtern und Wortformen, gesammelt und mit einer Vorrede versehen von Dionys Kuen, Buchdrucker und der schönen Künste Beflissener.
Buchau, in der Fürstlich Thurn und Taxis'schen Buchdruckerei gedruckt und verlegt von dem Verfasser 1844".
Im Auftrag des Landkreises Biberach ist dieses Büchlein als Schrift des Kreisfreilichtmuseums Kürnbach 1986 von Landrat Dr. Wilfried Steuer wieder herausgegeben worden.
Der Buchauer Buchdrucker Dionys Kuen hat sich damals als einer der ersten in Oberschwaben mit der Sprache seiner Landsleute befaßt und als Frucht langjähriger Arbeit sein "Wörterbuch der Bauernsprache" herausgegeben.
Wer aber war Dionys Kuen? In seiner 1896 erschienenen "Geschichte der schwäbischen Dichtung", in der er jenem ein eigenes Kapitel widmet, schreibt August Holder: "Den geselligen Beruf oder die gemütliche Aufgabe der schwäbischen Dialektdichtung hat Dionys Kuen, 'Der schönen Künste Beflissener', wie der selbstgemachte Mann mit gerechtem Stolze sich selbst zu bezeichnen pflegte, jedenfalls vor manchem seiner jüngeren Genossen ganz richtig erfaßt. Er ist in dem oberschwäbischen Städtchen Buchau (damals noch im Federsee gelegen) am 6. Oktober 1773 geboren, erlernte anfänglich die Buchbinderei, arbeitete sich gelegentlich rasch in die Geheimnisse des Schriftsatzes und Buchdrucks ein und übernahm als junger Mann die Buchdruckerei im Thurn- und Taxis'schen Schlosse daselbst. Hier gab er das 'Wochenblatt' zu Nutz und Frommen seiner Mitbürger heraus, leitete zugleich auch das 'Landwirtschaftliche Wochenblatt' des Oberamtsbezirks Riedlingen und entfaltete in seiner Geburts- und Heimatstadt überhaupt eine überaus mannigfaltige und gesegnete Tätigkeit in uneigennütziger Weise. Er starb zu Buchau als hochgeachteter Greis im Alter von 78 ½ Jahren am 9. April 1852. Heute noch ist die Erinnerung an den reichbegabten Mann, der mit wahrem Bienenfleiße bis in sein hohes Alter sich geistig und gesellschaftlich zu vervollkommnen strebte, unter dem älteren Geschlechte der Buchauer Einwohnerschaft lebhaft erhalten."
Dieses "Oberschwäbische Wörterbuch der Bauernsprache" von Dionys Kuen, das die Ausdrücke unserer Mundart sammelte, die sonst in Vergessenheit geraten wären, hat mich fasziniert. Ich versuche nun (schon seit zehn Jahren) dieses Lexikon des oberschwäbischen Dialekts auf die Zeit um 1930 herum zu aktualisieren. Von Kuens Wörterbuch übernehme ich nur die Wörter und Ausdrücke, die ich von früher selbst noch kenne und die hier größtenteils von uns Alten auch noch so gesprochen werden. Dabei ist zu bemerken, daß die Aussprache des "Bussen-Schwäbischen" zu unserem "Ochsenhausischen" doch Unterschiede aufweist. Bis heute konnte ich den Sprachschatz auf fast dreitausend Wörter und Wortformen erweitern; und dieses hauptsächlich aus den Gesprächen mit Altersgenossen heraus; dabei immer den Zettel in der Tasche, um gleich aufschreiben zu können.
Mein Wörterbuch kann und soll nun kein sprachwissenschaftliches Werk sein, ich schreibe einfach auf, wie man damals bei uns gesprochen hat und habe dazu bewußt auch nur selten ein Schwäbisch-Lexikon benutzt. Die Regeln über Aussprache, Rechtschreibung und Lautierung, wie sie Dionys Kuen vor 160 Jahren verwendete, möchte ich größtenteils übernehmen und verzichte dabei im Hinblick auf die Lesbarkeit auch auf zusätzliche Lautschriftsymbole. Wegen der unterschiedlichen Aussprache des Oberschwäbischen möchte ich zu den von Kuen benutzten "zusätzlichen Doppellautern" oa, ea, oi, au, ai (siehe Seite 12) fünf weitere dazunehmen, nämlich ia, aou, ua, ou, ui, und glaube, damit unseren "guten Ton" besser getroffen zu haben. Im Übrigen stimme ich Kuen zu, wenn er schreibt, daß man die Betonung dieser Doppellauter von einem "geborenen Oberschwaben zu hören genötigt wird".
Wenn man sich mit der Art und Weise des Redens vor hundertfünfzig, vor achtzig Jahren und heute am Anfang des dritten Jahrtausends befaßt, kommt einem zum Bewußtsein, wie sehr unser Sprechen sich wandelt. Ich meine hier die Mundart, die wir, Alte und auch Jüngere, heute auf dem Lande noch sprechen. Man muß feststellen, daß unser Dialekt zusehends verflacht. Die Eigenheiten der kleinräumigen Sprachgebiete wie Bussen, Waldsee, Illertal, Laupheim, Riedlingen, Alb usw. verwischen sich, es wird ein Allerwelts-Schwäbisch gesprochen. Schade, aber solches läßt sich nicht aufhalten, es ist die Folge der Entwicklung von der Agrar- hin zur Industrie- und Mediengesellschaft. Dieser Umbruch, der schon vor über hundert Jahren einsetzte, sich aber in den letzten Jahrzehnten immer rasanter vollzog, hat auch die gewohnte Lebens- und Arbeitsweise auf dem Dorf total verändert.
Zur Dokumentation unserer oberschwäbischen Mundart, so wie sie Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts gesprochen wurde, gehört unweigerlich auch eine Beschreibung bäuerlicher Arbeiten, Geräte und Maschinen, sowie die Schilderung der Sitten und Gebräuche auf dem Dorf.
Mein Buch "Bauernsprache und Bauerngeräte im Schwäbischen Oberland", möchte dem heutigen Menschen vermitteln, wie man damals "gschwätzt, gschaffet ond gfeiret" hat.